Zurück in den Wald

Stell dir vor, du gehst in den Wald und kommst zu Hause an.
Heimisches Ambiente zu Besuch in des Mutters Natur moosigen Schoß.
Es holzt gewaltig. Egal ob Buche, Eiche, Kiefer, exotisch. Egal ob Schrankwand, Zimmerboden oder Autocockpit.
Egal ob alt geerbt oder neu geleast, ob echt oder Imitat. Holz beseelt. Das war so und wird so bleiben:
Sehnsucht nach dem Ursprung, dem Natürlichen, nach Wärme und Geborgenheit. Holz als Thermostat unseres
Seelenlebens und Botschafter (deutscher) Waldidyll.
Zurück in den Wald !
Wir wagen eine Familienzusammenführung: Heimkehr des kultiviert – entwurzelten Sprosses. Wir bringen
Wohngefühl in den Wald. Und die Möglichkeit, eigenes (kollektives) Schönheitsempfinden zu reflektieren. Wir
machen das existierend Assoziative plakativ sichtbar. Wir verkürzen und verstärken ästhetische Wege der
Wahrnehmung. Wir projizieren Zivilisation in den Wald, also dort hinein, wo sie herkommt.
Die Wohnfläche kann begangen, besetzt, berührt werden. Es gibt keine Barrieren. Weder Wände noch sonstige
Absperrungen trennen die beiden Bedingungen voneinander. Der Übertritt vom weichen, erdigen Boden auf
die glatte Wohnfläche gelingt mühelos und erlaubt das empörend stille, unmittelbare Erleben unfassbarer
Gegensätzlichkeit. Das Herausnehmen und Verpflanzen eines Teils heimischen und heimeligen Ambientes
lässt unsere Wohn- und Lebenswirklichkeit mit dem vermeintlich Fremden, doch eigentlich Ursprünglichen,
korrespondieren

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Ursprung und Abstraktion. Zauber und Perversion. Natur und Naturierung.
Anstoß und Ausgangspunkt zu diesem Projekt ist ein vages, schwer artikulierbares Gefühl des eigenen Verhältnis
zur Natur, die transformiert in tote „Tapete“, zivilisatorische Räume und Oberflächen beleben soll.
Ist die separierte, umgesetzte Wohnatmosphäre notwendig, um von ihr aus erst Wald erkennen und begreifen
zu können, um wiederum einen unverstellten Blick auf die eigene Existenz zu erhaschen? Man weiß es nicht.

 
ZURÜCK IN DEN WALD  2008, 2011